K√°lm√°n V√°rady, George Vasilescu
K√°lm√°n V√°rady . WUNDERKAMMER I
George Vasilescu . DARKENING THE DARKNESS
05. September 2017
Sehr geehrte Journalist*innen,

K√°lm√°n V√°radys Kunst bildet ein eigenes Universum aus meist alten gefundenen und gesammelten Objekten, die er zu Neuem collagiert und auf diese Weise geschickt mit den Assoziationen seiner Betrachter spielt. Es entstehen Skulpturen wie die ‚ÄěGypsy Warriors‚Äú, die mit ihren Zauberkr√§ften gegen die √ľble Nachrede √ľber Roma zu Felde ziehen. Mit der aktuellen Ausstellung WUNDERKAMMER I geht Varady folgerichtig den n√§chsten Schritt: Er schafft mit einer raumf√ľllenden Installation ein den Betrachter umfassendes Environment.

Der Besucher findet sich in einem Raum des Staunens wieder, in dem V√°rady all das, was ihn seit Jahren besch√§ftigt, vereint. Es ist ein genauso realer wie surrealer Raum, der die ganze Welt erfasst, der Naturalia mit Artificilia verbindet und der schlie√ülich in der Vision einer neuen Welt m√ľndet. Die Dinge, die V√°rady zusammentr√§gt, erz√§hlen mannigfaltige Geschichten. Sie lassen Themen anklingen wie den Voodooismus Westafrikas, den er auch mit performativen Elementen in seine Arbeit aufnimmt, Ahnenverehrung, die Verfolgung der Minderheit der Sinti und Roma, aber auch das Zeitalter der Entdeckungen und Erforschung bislang dem Westen unbekannter Weltteile und des Kolonialismus, mit dem Europa versuchte, sich die Welt zu eigen zu machen. Vor allem aber gelingt es dem K√ľnstler, eine existentielle Erfahrung zu vermitteln. Das Staunen gebiert Neugier, das vielen Dingen dieser Ausstellung innewohnende Memento Mori weckt Lebenshunger. In der Stadt Alexander von Humboldts, der unz√§hlige Sammlungsobjekte von seinen Expeditionen nach Berlin brachte und so das Wissen dieser Stadtgesellschaft mehrte, vermag ein zeitgen√∂ssischer K√ľnstler, der Idee der Sammlung neue und aktuelle Bedeutung zu geben.

K√°lm√°n V√°rady l√§sst uns an seinem nomadischen Denken teilhaben, das mit offenen Augen die Welt erwandert. Wir haben teil an seinem Findergl√ľck, profitieren von seinem professionellen Sammeleifer. Wir finden den K√ľnstler, aber auch uns und unser Leben, in uralten und fremd anmutenden Traditionen gespiegelt, in Interesse an und Respekt vor dem Anderen.
 

Der junge rum√§nische K√ľnstler George Vasilescu besch√§ftigt sich in der Ausstellung, die ihren Titel einer Zeile des rum√§nischen Schriftstellers Nikita Stanescu, ‚ÄěDie Verdunkelung der Dunkelheit ist das Tor zum Licht‚Äú entliehen hat, mit Malerei.

Uns begegnen dunkle, pastos gemalte Gestalten. Menschen, die dem K√ľnstler zum Teil nur zuf√§llig und oft nur fl√ľchtig begegnet sind, die aber im Malprozess zu seinem eigen wurden. Indem er sie malt, werden sie zu seinen Doppelg√§ngern. Sie dr√ľcken das aus, was er empfindet, sie sind zu seiner Welt geworden. Es sind zumeist arme Menschen;¬† George Vasilescu schafft ein Abbild und somit eine Solidarisierung mit der rum√§nischen Unterschicht. Seine Figuren scheinen der Hoffnungslosigkeit, dem Elend und schicksalhaften Versagen verhaftet, doch in Verwendung von Dunkelheit, ja gerade dem in √Ėl aufgetragenen Schwarz, will der K√ľnstler das Licht ausdr√ľcken. Gerade in seiner Abwesenheit wird es sichtbar. Der K√ľnstler sucht das Licht, welches von seinem Schwarz aufgesogen wird, w√§hrend¬† ein Wei√ü es blo√ü reflektieren w√ľrde. Vasilescus Gem√§lde sind Bilder √ľber den latenten Abgrund der Menschen, √ľber Angstzust√§nde und Schmerz. Denn was da bleibt, ist Emotion - der Antrieb zum Leben, der das gewisse Etwas des Werdens und unseres Daseins ist. Vasilescus Personal findet keine Ruhe, sondern Unruhe. Es sind Menschen, die in Illusionen gefangen sind. Es geht dem K√ľnstler nicht um die Darstellung materieller Armut in Rum√§nien, sondern um die Entw√ľrdigung der Personen, die aber vielleicht gerade im Zustand des Elends eine Verwandlung erleben k√∂nnen und so vielleicht die Wahrheit von Liebe erfassen.

Wie schon in seiner ersten Solo-Ausstellung in der Galerie Kai Dikhas pr√§sentiert George Vasilescu mit ‚ÄěDarkening the Darkness‚Äú eine formal wie inhaltlich tiefgr√ľndige k√ľnstlerische Lebensreflektion, die an nicht weniger als die existenzielle Bedingung unseres Lebens herangreift. Seine Bilder f√ľhren uns dahin, wo wir vielleicht nur ungern sein wollen; die Augen seiner Portr√§tierten sehen Dinge, die wir nicht sehen wollten, die uns selbst aber nur umso klarer hervortreten lassen. Wie so oft ist es die Perspektive vom Rand, die den Menschen sichtbar macht.
 
Text: Moritz Pankok

‚ÄěDie doppelg√§ngerhafte Beziehung zwischen mir und meinen Gestalten ereignet sich vor der Leinwand als k√ľnstlerischer Sch√∂pfungsmoment. Eine Art von Spaltungsfantasie, indem ich einen Sinn aus diesen Begegnungen mit meinen Gestalten heraus zu reflektieren und zugleich √ľber mein eigenes Leben nachzudenken versuche. Dabei entziehen sie sich jeglicher Art von Frustration, sowie ich mich dem Irrsinn des Alltags entziehen will‚Ķ
Diese Werke werfen einen anderen Blickwinkel auf mein k√ľnstlerisches Ego, auf unsere unmittelbare Umwelt und verzeichnen somit eine Kehrtwende von meiner bisherigen figurativen Malerei. Eine Art ‚ÄöDoppelg√§nger‚Äô‚Ķ ‚Äú¬†¬†¬†¬†¬†¬†¬† George Vasilescu

ER√ĖFFNUNG Freitag, 8. September 2017 . 19-21 Uhr
LAUFZEIT 09. September bis 24. November 2017 . Eintritt frei
  Mittwoch bis Samstag . 14-18 Uhr u.n.V.
ORT Galerie Kai Dikhas und Kunstraum Dikhas Dur Aufbau Haus am Moritzplatz
  Prinzenstraße 84.2 I 10969 Berlin
¬† Zugang √ľber die Galerie Kai Dikhas
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