EIGENBILD

Das sich selbst befragen, sich hinterfragen, sogar, das sich selbst infrage stellen, nimmt im künstlerischen Prozess einen weiten Raum ein. Selbstportraits sind für Künstler*innen ein Ausdrucksmittel dessen und sie sind in der Kunstgeschichte zu einem eigenen wichtigen Genre geworden. Sie können Ausdruck von Zweifel aber auch von selbstbewusster Selbst-Repräsentation sein. 

Auch unter den Arbeiten der Künstler*innen, mit denen Kai Dikhas zusammenarbeitet, sind zahlreiche Selbstbildnisse zu finden. Die Kunst wird zum Spiegel und Ausdruck eigener Lebenswirklichkeit und so ist das Genre des Selbstbildnisses geradezu für eine Ausstellung in einem Ort, der eine Plattform für die Kunst der Sinti und Roma, also eine Plattform für die Selbstrepräsentation ist, prädestiniert. Denn es sind gerade Selbstportraits, die den Fremdbildern entgegentreten und mit denen Künstler*innen sich behaupten. Es ist die Kunst der Künstler*innen, die ein Selbstbild schafft und stereotypen und oft rassistischen Bildern wirkmächtig widerspricht. 

Für die jüngere Geschichte der Seibst-Repräsentation von Künstler*innen der Sinti und Roma ist seit dem ersten Pavillon der Sinti und Roma, „Paradise Lost“ der 2007 von Tímea Junghaus kuratiert und initiiert und als „Collateral Event“ im Rahmen der 52. Biennale di Arte Venezia gezeigt wurde, Venedig geworden. 

Neben den Selbstportraits von Künstler*innen der Sammlung Kai Dikhas zeigt die Ausstellung wichtige Werke der Sammlung, die Bestandteile der verschiedenen Ausstellungen in Venedig, von 2007 „Paradise Lost“, kuratiert vom Tímea Junghaus, 2011 „Call the Wittness“ kuratiert von Maria Hlavajova nach einer Idee von Suzanna Milevska, 2019 „FUTUROMA“ kuratiert von Dr. Daniel Baker, 2022 „The Abduction from the Seraglio“ kuriert von Ilina Schileru bis hin zur Ausstellung RʳOMA LEPANTO der Stiftung Kai Dikhas im Jahr 2024 kuratiert von Moritz Pankok. 

Mit der Ausstellung soll der Ruf nach einem permanenten Ort für die Kunst und Kultur der Sinti und Roma in Venedig untermauert werden, den die Künstler*innen und Akteur*innen, den ROMA PROJECT SPACE VENICE, wiederholt gefordert und in zwei Konferenzen in 2024 und zuletzt im Oktober 2026 in Venedig formuliert haben. 

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